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2009 – das Jahr der Herausforderungen für die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr

Montag, 28.Dezember 2009

Viel wurde darüber geredet. Am 23.03.2007 erfolgte durch Brigadegeneral Weisenburger der erste Baggerstich, und zur Jahresmitte wird es soweit sein, die Alma Mater der Feldjäger wird die Burg in Sonthofen verlassen und in die neu gestaltete Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover umziehen.

219_01Nicht-Hannoveraner werden sich fragen, was das für eine Kaserne ist und wo man sie findet. In der jüngeren Geschichte war die Emmich-Cambrai-Kaserne, die auch damals schon so hieß, unter „Offizierschule des Heeres“ bekannt. Sie liegt im Norden von Hannover direkt an der Autobahn A2. Durch Verlegen der Offizierschule nach Dresden im Jahr 1997 wurde die Kaserne bis 2000 weitgehend frei und wartete seitdem auf einen Nachnutzer.

Vor dem II. Weltkrieg standen auf dem Gelände drei Kasernen, im Norden die Kriegskaserne, im Südwesten die Emmich-Kaserne, die im Krieg weitgehend zerstört wurde, und im Südosten die Cambrai-Kaserne.

Die Namensgeber für den Doppelnamen haben ihren Ursprung im I. Weltkrieg. Der aus Hannover stammende General Otto Albert Theodor von Emmich war ein erfolgreicher Truppenführer des I. Weltkriegs. Um ihn zu ehren, steht sein Name für den ersten Teil des Namens. Cambrai ist ein Ort in Frankreich, in dem zum ersten Mal die Briten 1917 einen großen, wenn auch erfolglosen Panzerangriff durchführten und die deutschen Truppen 1918 mit ihrer kleinen Panzerwaffe einen ersten Erfolg erringen konnten. Dieser Ortsname bildet den zweiten Teil des Namens.

Die neue Feldjägerschule hat mit ihrem Baufortschritt schon solche Konturen angenommen, dass man eindeutig sagen kann: „Hannover wir kommen!“

Der nach Ende der Lehrverpflichtungen vor der Sommerpause beginnende Umzug ist keine Verlegung von A nach B, an dem lediglich die gleiche Arbeit des alten Dienstortes fortgesetzt wird. Der Umzug nach Hannover ist ein Aufbruch an einen neuen, mit modernsten Einrichtungen ausgestatteten Ort, aber auch ein Aufbruch zu einer neuen Qualität der praktischen und theoretischen Wissensvermittlung und des Wissensmanagements. Das heißt jedoch nicht, dass alles über Bord geht und das Rad neu erfunden wird. Gutes und Bewährtes wird übernommen und findet ebenso seinen Niederschlag in den dann neu gestalteten Lehrplänen wie völlig neu entwickelte Unterrichtskonzepte.

Der Umzug bietet der Schule die einmalige Chance, sich mit neuestem Schulstandard auszustatten und in der Schullandschaft der Bundeswehr als weit sichtbarer Leuchtturm zu positionieren. Diese Chance ist erkannt und wird wahrgenommen. Diese neue Schule wird sowohl inhaltlich als auch technisch einen Quantensprung in der Schullandschaft der Bundeswehr darstellen. Dabei ist auch der internationale Vergleich nicht zu scheuen.

Diese fordernde Zielsetzung wird von der übergeordneten Führung bis in höchste Ebenen mitgetragen und unterstützt. So hat der Amtschef des Streitkräfteamtes, Generalmajor Wollny, dieses Projekt als einen der Schwerpunkte des Streitkräfteamtes für das Jahr 2009 erklärt. Er lässt sich regelmäßig über den Baufortschritt unterrichten. Auch ist die Schule Thema der regelmäßigen Leitungsrunde beim Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Kühn.

Allen Akteuren ist klar, dass die Realisierung dieses Projektes nur durch gemeinsames Wirken auf höchstem Niveau zum gewünschten Erfolg gebracht werden kann. Dieses Teamplay beschränkt sich dabei nicht nur auf die Bundeswehr, sondern es wurde ein Schulterschluss zwischen den Entscheidungsträgern der Bundeswehr, der Bundeswehrverwaltung, dem Staatshochbauamt und der BWI-Informationstechnik GmbH vollzogen. Alle ziehen an einem gemeinsamen Strang und geben ihr Bestes, um das Ziel zu erreichen.

Einer besonderen Herausforderung hat sich die BWI-Informationstechnik GmbH zu stellen, die für die Installation der Computernetzwerke und Computer zuständig ist. Sie muss neben der Neuinstallation sicherstellen, dass mit dem Umzug alle Computer in Sonthofen abgebaut werden. Darüber hinaus ist der Betrieb der Netze (Schul-, Ausbildungs- und Unterkunftsnetz) in Hannover sicherzustellen, so dass die Arbeit verzugslos aufgenommen werden kann.

Auf dem Einlegeblatt in der Mitte dieses Heftes ist der Grundriss der völlig neu gestalteten Kaserne zu sehen.

Neben dem Stab, den Wirtschafts- und Betreuungseinrichtungen sowie der Kasernenabsicherung lässt sich die Schule in die Bereiche hörsaalgebundene Ausbildungsstätten, Speziallehreinrichtungen und Unterkunftsbereiche einteilen.

Hier werden alle Feldjäger von der Spezialgrundausbildung über Spezialisierungslehrgänge bis hin zum Lehrgang für Bataillonskommandeure der Feldjägertruppe ausgebildet. Zudem finden sämtliche Stabsdienstlehrgänge für Uniformträger von Heer, Luftwaffe und Marine, die Ausbildung für Personalfeldwebel und Personaloffiziere, die Ausbildung von SASPF (eine bundeswehrspezifische Form von SAP) in den vier Hauptprozessen „Personal“, „Bundeswehrplanung“, „Organisation“ und „Individualausbildung“, sowie die Ausbildung zum Beauftragten für Zivil-Militärische-Zusammenarbeit, ein Lehrgang für Reservisten, die meist herausgehobene Positionen im zivilen Leben bekleiden, statt. Die Durchführung weiterer Lehrgänge mit Zukunftsperspektive wie z.B. Verbindungswesen und Organisationsgrundlagen der Bundeswehr ist ebenfalls sichergestellt.

Die normalen Lehrsäle entsprechen alle dem modernsten Unterrichtsstandard. Sie sind ausgestattet mit Beamer, Tafel, Computerarbeitsplatz und einem „Active Board“. Bei dem Active Board handelt es sich um eine Art elektronische Wandtafel, die über einen Beamer mit einem Computer kommuniziert. Hier können z.B. in einer PowerPoint-Präsentation manuelle Einträge vorgenommen werden und die Lehrgangsteilnehmer interaktiv direkt in den Unterricht eingebunden werden. Der Ausbilder kann jederzeit dabei überprüfen, ob die Lehrgangsteilnehmer den Unterricht aufgenommen und verstanden haben, darauf aufbauend eine Schwachstellenanalyse durchführen und ggf. den Mangel beheben.

Die Computerarbeitsplätze in den IT-Lehrsälen sind so aufgebaut, dass jeder Lehrgangsteilnehmer einen Arbeitsplatz bekommt und der Ausbilder von seinem Lehrerarbeitsplatz aus jedem Lehrgangsteilnehmer bei Bedarf individuell helfen kann.

Hauptsächlich in der Feldjäger- , aber auch in der Stabsdienstausbildung wird ein besonderer Schwerpunkt auf den Erwerb von praktischen und einsatzbezogenen Fähigkeiten gelegt. Um diese auf lagebedingtes Handeln bezogenen Fähigkeiten zu trainieren, wurden sogenannte „Handlungstrainer“ konzipiert und errichtet.

In der Emmich-Cambrai-Kaserne stehen folgende Handlungstrainer zur Verfügung:

  • Lehrdienstkommando
  • Feldjägereinsatzleitstand
  • Feldjägereinsatz in Fabrik, Wohnung und Hotel
  • Tatortarbeit
  • Flugabfertigung
  • Waffenlose Selbstverteidigung
  • Besondere Kraftfahrausbildung / Fahrfläche (Baubeginn in der 2. Hälfte 2009)
  • Gewahrsamnahme / Gefechtsstand
  • Raumschießanlage mit scharfem Schuss
  • Schießsimulator AGDS/AGSHP

219_02Für diese neuen Ausbildungsmittel sind Räume geschaffen worden, die ein typisches Einsatzszenario simulieren. Durch Einspielen von situativen Rahmenbedingungen und Lagen werden dann den Lehrgangsteilnehmern Handlungsweisen abverlangt. Dabei findet durch Regiepersonal eine permanente Überwachung statt. Wichtige Passagen werden per Video dokumentiert und anschließend im Dialog zwischen Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer ausgewertet.

Am konkreten Beispiel „Handlungstrainer Waffenlose Selbstverteidigung“ wird im Folgenden die oben beschriebene abstrakte Darstellung konkretisiert.

Der Grundaufbau des Handlungstrainers ist eine „normale“ Turnhalle, ausgestattet mit einer Spezialmatte, die das Betreten mit Kampfstiefeln und voller Ausrüstung zulässt.

Eine Aufwertung erfährt die Halle durch die Installation von Einrichtungen zum Erzeugen von Sondereffekten wie Nebel, Wind, Schall und Licht mit abgestufter Helligkeit. Um auf Szenarien eingestimmt zu werden, befindet sich in diesem Raum darüber hinaus ein Beamer mit einer Großleinwand.

219_03Die gesamte Techniksteuerung und das Einspielen der Lagen erfolgt über einen Regieraum, der mit dem dafür erforderlichen Steuerungs-Equipment ausgestattet ist (vgl. Abb. 2). Weiterhin bedient das eigens für den Handlungstrainer ausgebildete Regiepersonal die ebenfalls installierte Video- bzw. Infrarotkamera bei Szenarien in Dunkelheit und überwacht das gesamte Übungsgeschehen (vgl. Abb. 3) mit direkter Eingriffsmöglichkeit auf alle im Raum anwesenden Personen. Über eine Kopfhörer-Mikrofon-Einrichtung kann die Regie mit dem sich im Übungsgeschehen befindenden Ausbilder kommunizieren und ihm Anweisungen oder allgemeine Hinweise geben.

Mit dieser Ausstattung besteht die Möglichkeit, den Lehrgangsteilnehmer mit Eskalationsstufen zu konfrontieren, um unter Belastung das sichere Entscheiden und Handeln zu trainieren.

Die durch das Regiepersonal aufgenommenen Handlungen können hinterher direkt mit den Lehrgangsteilnehmern im konstruktiven Dialog ausgewertet werden oder auch zu einem späteren Zeitpunkt dem Lehrgang verfügbar gemacht werden.

Durch den Einsatz von mehreren Handlungstrainern besteht auch die Möglichkeit, komplexe Lagen zu trainieren. Eine komplexe Personenschutzlage würde dann im Handlungstrainer „Besondere Kraftfahrausbildung“, im Handlungstrainer „Feldjägereinsatz (Hotel)“ und in der Raumschießanlage erfolgen. Dort müssen dann die Lehrgangsteilnehmer drei voneinander unabhängige Entscheidungs- und Handlungskomplexe durchlaufen.

Neben diesen an die Emmich-Cambrai-Kaserne gebundenen Ausbildungseinrichtungen erfolgt auch weiterhin der Fernunterricht über Teletutoren und wird darüber hinaus kontinuierlich verbessert. Denn nicht umsonst steht die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr durch Einführung der entsprechenden Pilotlehrgänge für die maßgebliche Entwicklung dieser zukunftsträchtigen Unterrichtsform.

Anhand der hier nur kurz beleuchteten Darstellung der Unterrichtsmöglichkeiten wird deutlich, dass praktisch jeder Unterricht, wenn auch mit schon bekannten Inhalten, an eine neue Qualität von Unterrichtsmöglichkeiten angepasst werden muss. Die Unterrichtsqualität und der Anspruch an den Ausbilder wie auch an den Auszubildenden wird eine neue Dimension darstellen. Das Füllen der Unterrichtsinhalte mit Leben ist eine der wesentlichen Leistungen, die der Bereich Lehre und Ausbildung für diesen Umzug erbringen wird.

219_04Die Unterbringung der Lehrgangsteilnehmer in Mehrbettzimmern ist grundsätzlich nicht mehr beabsichtigt. In der Emmich-Cambrai-Kaserne erfolgt die Unterbringung fast ausschließlich in Einzelstuben, im sog. „Internatsstandard“ (vgl. Bild 4), d.h. mit Waschbecken auf dem Zimmer sowie Dusche und WC auf dem Gang. Oder im Schulstandard, zwischen zwei Stuben befindet sich eine Nasszelle mit WC, die sich dann jeweils zwei Lehrgangsteilnehmer teilen müssen. Zur individuellen Speisenzubereitung stehen pro Flur eine Küche mit Kochzeile, Kühlschrank und Wasseranschluss bereit.

Für alleinerziehende Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer, die ihre Kinder mitbringen müssen, wurden mit den örtlichen Kindergärten Aufnahmemöglichkeiten verhandelt, die bei Bedarf zur Unterbringung der Kinder während der Dienstzeit genutzt werden können.

Neben diesen rein auf die Lehre ausgerichteten Einrichtungen wird auch die Kameradschaft der Feldjäger e.V., wie schon in Sonthofen, genügend Raum erhalten, um die Bundesgeschäftsstelle, den Ehrenhain und den Feldjägerstein in einer würdigen Umgebung neu zu errichten. Als Bundesgeschäftsstelle ist das „Feldjägerhaus“ an der Westwache vorgesehen (Geb. 21a), das allerdings noch einer Bauunterhaltungsmaßnahme (Renovierung) im Jahr 2010 unterzogen werden muss. Darüber hinaus bekommt der neu gegründete Förderverein „Militärgeschichtliche Lehrsammlung der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr e.V. (MGLS)“ im Gebäude 54a einen eigenen Raum zur Errichtung einer militärgeschichtlichen Lehrsammlung.

Der Umzug der Schule von Sonthofen nach Hannover wird alle Beteiligten stark fordern, aber nach erfolgreichem Abschluss dieser Maßnahme zu Beginn der Lehrtätigkeit am 08.09.2009 mit zunächst 255 Lehrgangsteilnehmern und Vollaufnahme des Lehrbetriebs ab 04.10.2009 kann auch jeder, der daran mitgewirkt hat, stolz auf sich sein und darf mit Fug und Recht behaupten, dass er Teil dieses einmaligen Umzuges war, auch wenn er erst endgültig im Jahr 2011 mit Eingliederung der Hörsäle aus Garlstedt, Strausberg und Stetten am kalten Markt abgeschlossen sein wird.

Im letzten Quartal 2009 finden bereits zahlreiche hochrangige Veranstaltungen und Besuche in der grundsanierten Kaserne statt. So werden die „Spieß-Tagung“ des Generalinspekteurs, die Kommandeurtagung des Inspekteurs der Streitkräftebasis sowie die Feldjägerwoche mit der Weiterbildung der Feldjägerstabsoffiziere und dem Feldjägertag an drei aufeinander folgenden Wochen im November stattfinden.

Natürlich sind fast 53 Jahre Feldjägerschule in Sonthofen nicht einfach wegzuwischen. Zu viele Erinnerungen für viele Feldjägergenerationen sind mit der Burg verbunden. Gerade diese Erinnerungen und Erfahrungen machen die Seele dieser Schule aus. Diese Seele muss mit nach Hannover genommen werden. Es wird für alle ein Aufbruch mit Körper und Geist. Um diesen Aufbruch für alle zu starten, ist jeder Feldjäger und Stabsdiener, der in der fast 53jährigen Geschichte in Sonthofen gewesen ist, am 26.06.2009 mit Angehörigen und Freunden zum großen Abschied mit Abschlussappell, buntem Rahmenprogramm und Abendserenade eingeladen.

Lassen Sie uns gemeinsam aufbrechen und lassen sie uns gemeinsam in Hannover ankommen!

Von Oberstleutnant d.R. Dr. Michael Schwarz

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Kameradschaft der Feldjäger e.V.
Kugelfangtrift 1
30179 Hannover

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Telefax: 0511/47468845

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Mittwoch, 07:00 – 13:00 Uhr
Donnerstag, 07:00 – 13:00 Uhr

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    am 16.03.10 19:00
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