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Wenn Feldjäger zu Panzerkommandanten werden

Donnerstag, 14.Januar 2010

- sind sie meist als Übungstruppe bei SIRA eingesetzt.

Dass Feldjäger auch in Gefechtssituationen über taktisches Geschick verfügen, bewies vom 15.09.2008 bis zum 19.09.2008 das Führerkorps des Feldjägerbataillons 350 aus Berlin. Dieses konnte im Rahmen einer simulationsgestützten Rahmenübung, kurz SIRA, den Angriff eines verstärkten Panzerbataillons proben.

Ort der Ausbildungsmaßnahme war der SIRA-Stützpunkt in Hammelburg, in welchem die Operation der verbundenen Kräfte beübt werden kann.

SIRA – Simulationsgestützte Rahmenübung

Dieses rechnergestützte Ausbildungsmodell bietet Verbänden die Möglichkeit, kostengünstig, realitätsnah und umweltschonend taktisches Verhalten in unterschiedlichen Operationsarten auszubilden. Dabei wird nach dem Prinzip eines interaktiven, verdeckten Planspiels gearbeitet, bei welchem bis zu acht Parteien in Echtzeit beübt werden können. Diese rechnergestützte Nachbildung der räumlichen, zeitlichen und kräftemäßigen Auswirkungen der eigenen oder auch feindlichen Entschlüsse und Maßnahmen wird jederzeit elektronisch aufgezeichnet und kann anschließend multimedial ausgewertet werden. Der SIRA-Stützpunkt Hammelburg verwendet dabei die Rahmenlage „Frankenjagd“, welche sich auf die tatsächliche Umgebung von Hammelburg bezieht.

Das primäre Ausbildungsziel bei SIRA ist es, dem Führungspersonal Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, welche bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Einsätzen Anwendung finden.

Der SIRA-Aufenthalt des Feldjägerbataillon 350 in Hammelburg

Bevor das im Schwerpunkt eingesetzte und verstärkte Panzerbataillon „Stahl in die Heide“ bringen konnte, musste diese Heide natürlich erst einmal erkundet werden. Die nötige Beurteilung der Lage umfasste neben der ganztägigen Geländeerkundung auch Vorträge, welche beispielsweise von taktischen Grundsätzen als auch von den Einsatzgrundsätzen der eigenen und feindlichen Kräfte handelten. Mit geballter „Geländeexpertise“ über schwierige Geländeabschnitte und taktisch bedeutsame Orte konnte endlich zum Angriff geblasen werden. Jetzt wurden aus Feldjägern Panzerkommandanten, Panzergrenadiere, Pioniere, Artilleristen und Panzeraufklärer, welche auf eigener oder gegnerischer Seite in den Angriff beziehungsweise in die Verteidigung übergingen und sich nichts schenken sollten. Nach zahlreichen Übungsunterbrechungen und „Übungszurücksetzungen“ konnte das Angriffsziel des Panzerbataillons erfolgreich genommen und der Auftrag ausgeführt werden. Bei jeder der benannten Übungsunterbrechungen erfolgte eine Auswertung der taktischen Entscheidungen des Führungspersonals, bei welcher unzweckmäßige Entscheidungen angesprochen und somit für jeden nachvollziehbar und korrigierbar wurden. Die Übungsteilnehmer konnten somit direkt die Auswirkungen ihrer Befehle nachvollziehen und zukünftige Entscheidungen durch das Aufzeigen von eigenen oder feindlichen Handlungsmöglichkeiten anpassen. Gleichzeitig zeigte sich bei jedem kleinen Fehler, dass die Waffenwirkung der feindlichen Kräfte eine enorme Schlagkraft entwickeln konnte, welche zu großen Ausfällen in den eigenen Reihen führen konnte. Nur ein taktisches Vorgehen unter Ausnutzung von Geländeabschnitten, dem Einsatz von Nebel und eigener Artillerie konnte eigene Verluste begrenzt halten. Altbekannte, unerlässliche Grundsätze wurden somit sehr schnell wieder in das Gedächtnis der Teilnehmer gerufen, obwohl für einige Kameraden die Zeit der Truppenschule immerhin schon etliche Jahre zurück lag.

Die Teilnehmer des Feldjägerbataillons 350

Die Teilnehmer des Feldjägerbataillons 350

Das kulturelle Programm der Übung

Neben dem taktischen Verhalten im Gefecht sollten im Rahmen der Weiterbildung aber auch historische Aspekte betrachtet und die Kameradschaft gefördert werden. Hierzu wurde zunächst eine dreistündige Stadtführung mit Residenzbesichtigung in Würzburg durchgeführt. Der Stadtführer konnte dabei mit seinem umfassenden Wissen über die geschichtlich und architektonisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten der Stadt aufwarten, so dass fast jeder Interessenlage der Teilnehmenden entsprochen werden konnte. Seinen krönenden Abschluss fand dieser Tag bei einem Essen in angenehmem Ambiente in einer historischen Wassermühle.

Fazit

Diese Form der taktischen Weiterbildung wurde von allen Beteiligten als sehr wertvoll und lehrreich empfunden. Dem Führerkorps des Bataillons wurde somit die Möglichkeit gegeben, sein taktisches Können zu reaktivieren und aufzubauen. Denn taktisches Handeln beschränkt sich nicht nur auf die Zeit bei SIRA, sondern ist auf viele Bereiche des Militäralltags, auch auf die des Feldjägers, übertragbar und eine wesentliche Anforderung an den militärischen Führer.

Ferner entspricht die Kombination von taktischer und kultureller Weiterbildung der Forderung nach einer ganzheitlichen Bildung, welche zu deutlich besseren Lerneffekten beiträgt. In diesem Sinne wurden kulturelle Bestandteile ebenso als Bereicherung empfunden, welche teilweise auch eine angenehme Abwechslung darstellten.

Der Kommandeur hat abschließend gleich einen weiteren SIRA-Durchgang im Januar 2009 fest in die Jahresplanung des Bataillons aufgenommen, in welchem dann den Einsatzgrundsätzen von Feldjägern bei Stabilisierungsoperationen besondere Bedeutung zukommen sollen.

von Oberleutnant Christian Koch

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