Das Feldjägerbataillon 350 BMVg in Berlin und Brandenburg
Mittwoch, 3.Februar 2010In vielen Hauptstädten der Welt nehmen Militärpolizisten am Sitz des jeweiligen Verteidigungsministeriums ein herausforderndes Aufgabenspektrum wahr. Auch in Deutschland wurden im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin und dem Aufbau des zweiten Dienstsitzes des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) im Bendlerblock Feldjägerkräfte stationiert, die strukturell im Feldjägerbataillon 350 BMVg zusammengefasst wurden.
Das Aufgabenspektrum dieses hinsichtlich Anforderungsprofil und Binnenstruktur „besonderen“ Verbandes reicht vom erweiterten Absicherungsauftrag für den Bendlerblock über protokollarischen Ehrendienst mit Sicherheitsaufgaben bis hin zum Personenschutz für herausgehobenes militärisches Personal. Über dieses anspruchsvolle und spezifische Aufgabenspektrum hinaus nimmt der Verband alle querschnittlichen Aufgaben des territorialen Feldjägerdienstes im zugewiesenen Einsatzraum wahr und leistet den Feldjägerdienst bei nicht selten öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen der Bundeswehr, die sich am Sitz der Bundesregierung im Rahmen der ministeriellen Arbeit und der erforderlichen Repräsentation der deutschen Streitkräfte in und im Umfeld der Hauptstadt BERLIN ergeben.
Junge Geschichte auf historischem Fundament
Geschichte des Feldjägerbataillons 350
Das Feldjägerbataillon 350 kann auf eine langjährige Entwicklung zurückblicken, die sich als kontinuierliche Linie in der Tradition der Bundeswehr bis auf die ersten Einheiten zurückführen lässt. Der Aufstellungsbefehl Nr. 1 vom 6. Oktober 1955 für die Bundeswehr beinhaltete u.a. eine Militärpolizei-Lehrkompanie, welche den Ausgangspunkt für eine Truppe darstellte, die Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben sowie Verkehrsdienst wahrnehmen sollte: die Feldjägertruppe. Die Militärpolizei-Lehrkompanie stellte dazu die erste Keimzelle dar, entwickelte sich als Feldjägereinheit in den vielfältigen Strukturen der Bundeswehr weiter und bestand bis 1989 als Feldjägerkompanie am Standort BONN.
Als Konsequenz des sich fortentwickelnden Aufgabenspektrums der Feldjäger, des Personenschutzauftrages sowie in Folgerungen des Konzeptes zum Schutze der Regierungsausweichsitze erfolgte im Jahre 1989 die Aufstellung des Feldjägerbataillons 900 in BONN. Seitdem prägten Personenschutz und Eskorte sowie Sicherheitsaufgaben zur Absicherung von Hauptquartieren – neben den originären Aufgaben des territorialen Feldjägerdienstes – das Einsatzspektrum dieses Feldjägerbataillons für Hauptstadt- und BMVg-Aufgaben. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1991 eine eigenständige Feldjägerkompanie BERLIN aufgebaut, die mit dem Regierungsumzug 1993 dem Feldjägerbataillon 900 unterstellt wurde. 1998 wurde der Auftrag des Verbandes um die Absicherung des zweiten Dienstsitzes BMVg in BERLIN erweitert, in dessen Folge bis 2001 die Stabs- und Versorgungskompanie und eine weitere Einsatzkompanie des Bataillons nach BERLIN verlegten.
Mit Zuordnung der Feldjägertruppe zur Streitkräftebasis wurde das Feldjägerbataillon 900 in Feldjägerbataillon 350 umbenannt. Im Zuge der letzten Strukturveränderungen wurde 2005 auch die Feldjägerkompanie STORKOW dem Verband unterstellt. 2007 erfolgte die zunächst letzte Strukturveränderung mit der Neuaufstellung einer 5. Kompanie als nichtaktivem Ergänzungstruppenteil.
Konzeptionell wurde das Feldjägerbataillon 350 auf Grundlage seines Kernauftrages „Feldjägerdienst zur Unterstützung BMVg“ den Unterstützungskräften stationär zugeordnet. Unabhängig davon leistet der Verband auch zu den Anforderungen im Feldjägereinsatz Ausland als Unterstützungsverband seinen Beitrag. Die notwendige Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Kräftekategorien, der erforderliche Fähigkeits- und Wissenstransfer aus den Erfahrungen im Auslandseinsatz wie auch die Bewährung im Auslandseinsatz für die Soldaten stellen dabei wesentliche Hintergründe dar.
Kontinuierliche Transformation war und ist somit von Beginn an fester Bestandteil der Geschichte des Feldjägerbataillons 350.
Feldjäger im Umfeld der Bundeshauptstadt
In der durch den Generalinspekteur der Bundeswehr erlassenen Teilkonzeption Feldjägerwesen Bundeswehr vom 9. Juli 2007 sind dem Feldjägerbataillon 350 als wesentliche Kernaufgaben „neben dem flächendeckenden Feldjägerdienst im Inland vorrangig originäre Sicherheitsaufgaben zur unmittelbaren Unterstützung des Bundesministerium der Verteidigung“ zugeordnet.
Für das konkrete Aufgabenspektrum des Verbandes bedeutet dieser Auftrag die Wahrnehmung des Feldjägerdienstes im verbundenen Einsatz insbesondere durch:
- Erweiterte Absicherungsaufgaben für den 2. Dienstsitz BMVg,
- Wahrnehmung von Personen- und Begleitschutzaufgaben für gefährdete Angehörige des BMVg,
- Wahrnehmung des protokollarischen Ehrendienstes mit Sicherheitsaufgaben (Eskorte),
- Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben bei Veranstaltungen der Bundeswehr in der Bundeshauptstadt.
Ergänzt werden diese spezifischen Feldjäger-Aufgaben für den 2. Dienstsitz BMVg BERLIN durch die flächendeckende permanente Wahrnehmung des Feldjägerdienstes im Standort BERLIN mit ca. 6000 Soldaten und über 80 Dienststellen sowie den Einsatzraum Ostbrandenburg mit ca. 4500 Soldaten.
Für diesen Auftrag ist das Feldjägerbataillon 350 strukturell in eine Stabs- und Versorgungskompanie, drei Einsatzkompanien und eine nichtaktive Kompanie (als Ergänzungstruppenteil) gegliedert. Bis auf die 4. Kompanie in STORKOW sind alle Einheiten des Verbandes in der Julius-Leber-Kaserne in BERLIN stationiert. Der Absicherungszug der 2. Kompanie leistet seinen Dienst im Bendlerblock, dem zweiten Dienstsitz des BMVg. Die 2. Kompanie ist dabei aufgrund ihrer besonderen Aufgabenbereiche in spezifischer Weise strukturiert. Sie besteht aus einem Personenschutzzug, dem Eskortezug sowie dem Absicherungszug.
Der Verband ist truppendienstlich dem Standortkommando BERLIN und im besonderen Aufgabenbereich Feldjägerdienst direkt dem Befehlshaber im Wehrbereich III in Erfurt unterstellt.
Der originäre Feldjägerdienst ist gekennzeichnet durch die sechs Kernaufgaben der Feldjägertruppe:
- Militärischer Verkehrsdienst,
- Militärischer Ordnungsdienst,
- Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben,
- Erhebungen und Ermittlungen,
- Aufgaben im Raum- und Objektschutz,
- Aufgabenübergreifender Feldjägereinsatz.
Diese Kernaufgaben werden durch den Verband in den regional räumlich zugeordneten Einsatzräumen BERLIN und OSTBRANDENBURG durch
- die 3. Kompanie mit dem Feldjägerdienstkommando Berlin für Aufgaben des territorialen Feldjägerdienstes in der Bundeshauptstadt und
- mit der 4. Kompanie mit dem Feldjägerdienstkommando Storkow für Aufgaben des territorialen Feldjägerdienstes in Ostbrandenburg wahrgenommen.
In beiden Feldjägerdienstkommandos wird eine flächendeckende und permanente Aufgabenwahrnehmung im Rahmen des Feldjägerdienstes im Inland (24 Stunden/7 Tage pro Woche) sichergestellt. Dabei stehen vor allem die grundlegenden Fähigkeiten zur Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben und Unterstützung aller militärischen Bedarfsträger durch querschnittliche Feldjägeraufgaben im Mittelpunkt. Dem Schutz von Objekten der Bundeswehr, der Aufrechterhaltung der militärischen Ordnung und Disziplin sowie der Unterstützung von Einheiten und Verbänden kommt dabei entscheidende Bedeutung zu.
Besonderheiten militärpolizeilicher Aufgaben im Umfeld der Bundeshauptstadt
Spezifische FJg-Aufgaben im Bereich BMVg
Erweiterte Absicherung
Mit Beschluss des Bundeskabinetts vom 10. Februar 1998 und Weisung des Bundesministers der Verteidigung vom 26. März 1998 erhielt das Feldjägerbataillon 350 den Auftrag zur erweiterten Absicherung des 2. Dienstsitzes des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin. Der Absicherungszug der 2. Kompanie leistet diesen Feldjägerdienst im Bendlerblock.
Hohe Anforderungen an Ausbildung, Handlungssicherheit und Sensibilität stellen wesentliche Kennzeichen auch für die Aufgabenerfüllung bei der Absicherung des 2. Dienstsitzes dar. Folgenden Prämissen gilt es dabei in besonderem Maße Rechnung zu tragen:
- Gefährdungslage und Schutzbedürfnis,
- Zusammenspiel von Sicherheitsaufgaben und protokollarischen Aufgaben.
Das BMVg besitzt insbesondere am 2. Dienstsitz, dem überwiegenden Aufenthaltsort des Verteidigungsministers und des Generalinspekteurs sowie weiteren exponierten Personen und hochrangigen Gästen, ein besonders hohes Schutzbedürfnis. Zur Erhöhung der Gefahrenabwehr und Militärischen Sicherheit bedarf es daher qualifizierter und routinierter Kräfte, deren Handeln von Professionalität, Pflichtbewusstsein und Eigenständigkeit gekennzeichnet ist. Bei entsprechenden Gefährdungslagen sind zielgerichtete Maßnahmen zur Überprüfung und ggf. Abwehr von Störungen und Straftaten im Rahmen der Verhältnismäßigkeit zu treffen. Dieses kann ebenfalls das Auslösen und Überprüfen erster Maßnahmen bei außergewöhnlichen Lagen, Großschadensereignissen, schweren Unglücksfällen oder Bränden einschließen. Ausgebildete Kräfte müssen im Dienstbetrieb bereitgehalten werden, um auch aus dem inneren Bereich heraus eigenständig operieren zu können. Der tägliche Umgang mit den hochrangigen Angehörigen des BMVg sowie deren nationalen und internationalen Besuchern und Gästen erfordert in besonderem Maße Sicherheitskompetenz, Flexibilität und hohes Engagement aller beteiligten Soldaten. Nur hierdurch kann das gesamte Spektrum der Sicherheits- und protokollarischen Aufgaben im Verbund angemessen erfüllt werden.
Verbindungen an vielfältigen Schnittstellen zu anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) zählen zu den wesentlichen Voraussetzungen abgestimmter Sicherheitsmaßnahmen. Neben dem originären Absicherungsauftrag im Bereich Bendlerblock zählen zusätzliche Absicherungen und Unterstützungsleistungen bei besonderen Veranstaltungen im BMVg wie z.B. dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung oder dem Feierlichen Gelöbnis am 20. Juli zum weiteren Anforderungsprofil der Feldjäger. Diese ganzheitliche Aufgabe ist im erweiterten Absicherungsauftrag als Feldjägerdienst vorrangig charakterisiert durch:
- Absicherung zur Gefahrenabwehr,
- Erste Reaktionsfähigkeit,
- Protokollarische und repräsentative Aufgaben,
- Verbindungen an vielfältigen Schnittstellen zu BOS,
- Eskortedienst: Protokoll und Sicherheit
Feldjäger führen militärische Ehreneskorten mit ihren Motorrädern BMW R-1200 RT durch, die neben dem protokollarischen Dienst zugleich Sicherheitsaufgaben erfüllen. Grundsätzlich verfügen alle Feldjägerverbände über eine Kompanie, in der eine Eskortengruppe eingegliedert ist. Abweichend davon verfügt das Feldjägerbataillon 350 über einen zusätzlichen Eskortenzug in der 2. Kompanie. Dieses resultiert aus Art und Umfang der besonderen Auftragslage in der Bundeshauptstadt sowie dem Ausbildungsauftrag für den Eskortendienst in der Feldjägertruppe.
Wesentlicher Bedarfsträger ist BMVg Leitungsstab Protokoll, in dessen Zuständigkeit Staatsbesuche und andere Veranstaltungen des Verteidigungsministeriums organisiert und durchgeführt werden. Die wachsende Bedeutung des Eskortedienstes in BERLIN lässt sich exemplarisch aus der Einsatzstatistik der letzten Jahre ableiten. Wurden 2005 insgesamt 107 Einsätze gefahren, stieg die Anzahl im Jahr 2006 auf 152 Einsätze und im Jahr 2007 auf 249.
Die Einsatzplanung des Feldjägerdienstes ist dabei durch den klassischen Dreiklang „Vorbereitung – Einsatz – Nachbereitung“ gekennzeichnet. Protokollarische Genauigkeit sowie konsequente Analyse der spezifischen Sicherheitsanforderungen stehen dabei im Fokus der Einsatzplanung. Entsprechend stellen Präzision und Disziplin das Kerngeschäft des protokollarischen Feldjägerdienstes dar. Öffentlichkeitswirksame Einsätze in der Bundeshauptstadt Berlin in unmittelbarer Nähe zur politischen und militärischen Leitung erweisen sich dabei als prägendes Merkmal der Anforderungen an alle eingesetzten Feldjäger. Der protokollarische Feldjägerdienst ist für auswärtige Gäste des Verteidigungsministeriums häufig die erste Berührung mit der Bundeswehr und damit prägender Eindruck sowie Visitenkarte deutscher Streitkräfte.
Um diesen Anforderungen angemessen gerecht zu werden, ist eine intensive Ausbildung zwingende Voraussetzung. Der Einsatz erfordert in hohem Maße Exaktheit und Disziplin sowie absolute Beherrschung der schweren Eskortekräder. Dabei geht es um Präzision, Geschicklichkeit, Koordination und Konzentrationsfähigkeit, so dass bereits der sorgfältigen Auswahl und Ausbildung der Eskortenfahrer und Eskortespitzenfahrer große Bedeutung zukommt. Aufgrund der besonderen Kompetenz und Erfahrung im Bereich der Eskorteaufgaben führt der Verband seit August 2005 entsprechende Eskortelehrgänge für die Feldjägertruppe in Berlin durch. Zweimal im Jahr findet der Lehrgang für Eskorten- und Eskortenspitzenfahrer statt. Dazu kommen zwei zweiwöchige Instruktorenlehrgänge und zweimal eine Woche Instruktorenweiterbildung. Kernelement der Ausbildung ist der auf zehn Wochen angelegte Eskorten- und Eskortenspitzenfahrerlehrgang. Die insgesamt 275 Lehrgangstunden gliedern sich in theoretische und praktische Ausbildungsinhalte. In der Theorie verteilen sich die Unterrichtsstunden u.a. auf die Themen Recht, Erste Hilfe, Fahrphysik und grundsätzliche Aspekte des Eskortendienstes. Das mögliche Handeln im Einsatz ist auch bei der Eskorte stets rechtsrelevant und verlangt ein Höchstmaß an Entscheidungs- und Verhaltenssicherheit. In der praktischen Ausbildung stehen u.a. das Beherrschen der Eskorteanforderungen im Stadtverkehr, über Land, auf Bundesautobahnen, im Parcours, Sicherheitstraining, Taktiktraining und eine Einsatzübung auf dem Lehrplan. Insgesamt legt ein Lehrgangsteilnehmer ca. 4500 bis 5000 Kilometer im Rahmen des Lehrganges zurück. Trotz aller Anforderungen im Bereich Protokollaufgaben und äußeres Erscheinungsbild wird aber auch der Sicherungsauftrag der Eskortefahrer nicht vernachlässigt. Dieser wird über das integrierte Taktiktraining für Eskortepersonal sichergestellt. Das Feldjägerbataillon 350 ist als Träger des Einsatzes und der Ausbildung des Eskortendienstes der Feldjägertruppe in einem ganzheitlichen Ausbildungskonzept Dienstleister für den gesamten Aufgabenbereich Feldjägerwesen Bundeswehr.
Personenschutz
Das Feldjägerbataillon 350 stellt mit spezifisch ausgebildeten und in einem Zug zusammengefassten Kräften den Personenschutz für herausgehobenes Personal des Verteidigungsministeriums sowie den Begleitschutz für entsprechend gefährdungseingestufte Gäste bei deren Aufenthalt im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr sicher. Des Weiteren werden diese Soldaten auch regelmäßig zu Personenschutzkommandos in Auslandseinsätzen herangezogen. Personen- und Begleitschutz dient dabei der Abwehr/Verhinderung von Angriffen gegen das Leben, gegen die körperliche Unversehrtheit oder gegen die Willens- und Handlungsfreiheit von gefährdeten Einzelpersonen oder Personengruppen. Führung und Koordination der Einsätze des Verbandes erfolgen aus der permanent besetzten Einsatzzentrale Personenschutz der 2./Feldjägerbataillon 350.
Der Einsatz erfolgt im Rahmen von Sicherheitsaufgaben auf Grundlage des „Unmittelbarer Zwang“-Gesetzes der Bundeswehr. Besondere Pflichten für die Personenschützer ergeben sich aus dem Soldatengesetz – beispielsweise Tapferkeit, aus dem Notwehr-/Nothilferecht sowie aus der Garantenpflicht gemäß § 13 StGB.
Personenschützer werden durch die Schule Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in unterschiedlichen Ausbildungshöhen umfassend aus- und weitergebildet. Einsatzbereit im Sinne von „Combat Ready“ ist ein Personenschutzkommando jedoch erst, wenn sich die Soldaten eines Kommandos als Team gefunden und aufeinander eingestellt haben.
Personenschutz bedeutet permanente Konzentration, ständige höchste persönliche Einsatzbereitschaft, äußerste Zuverlässigkeit, beispielhafte Berufs- und Dienstauffassung, ständige Leitungsnähe und nicht zuletzt professionelle Reaktionsfähigkeit mit unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben. Hier gilt der alte militärische Leitsatz: „Mehr sein als scheinen, viel leisten, wenig hervortreten“.
Zusammenarbeit und querschnittliche Aufgaben als Verband am Standort Berlin
Alle Verbände der Feldjägertruppe arbeiten im Rahmen der rechtlichen Vorgaben eng mit militärischen und zivilen Dienststellen zusammen; insbesondere unterhalten sie Fachbeziehungen zu Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), u.a. der Polizei. Sie nehmen gemäß der Teilkonzeption Territoriale Aufgaben eine wesentliche Mittlerfunktion zu den BOS wahr.
Der spezifische Auftrag des Feldjägerbataillons 350 stellt dazu insbesondere bei der Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben im aufgabenübergreifenden Feldjägerdienst besondere Anforderungen:
- Absicherung des 2. Dienstsitzes des BMVg,
- Personen- und Begleitschutz,
- Eskorten- und Lotsendienste,
- Absicherung von Veranstaltungen mit Schwerpunkt im Regierungsviertel.
Diese anspruchsvollen Aufgaben sowie die hohe qualitative und quantitative Einsatzintensität erfordern dazu insbesondere in der Bundeshauptstadt mit sich schnell verändernden Sicherheitslagen tragfähige Informations- und Arbeitsbeziehungen.
Im Rahmen territorialer Aufgaben erfolgt die Zusammenarbeit mit dem Landeskommando Brandenburg für den Einsatzraum des Feldjägerdienstkommando STORKOW wie auch durch das Feldjägerdienstkommando BERLIN mit dem Standortkommando BERLIN, welches diese Aufgaben für die Bundeshauptstadt wahrnimmt.
Über das feldjägerspezifische Auftragsspektrum hinaus nimmt der Verband auch vielfältige Aufgaben im Rahmen der Nachwuchswerbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Repräsentation in der Öffentlichkeit und Wahrnehmung ausländischer Gäste wahr. Durch statische und dynamische Vorführungen sowie zielgruppenspezifische Einweisungen kann dabei den unterschiedlichsten Gästegruppen ein eindrucksvolles Bild von Aufgabenspektrum und Leistungsfähigkeit der Feldjägerkräfte am Standort Berlin vermittelt werden.
Zusammenfassung
Der Aufgabenbereich Feldjägerwesen der Bundeswehr hat im Zuge der Neugewichtung des Aufgabenspektrums und im Lichte der Konzeption der Bundeswehr sein Aufgaben- und Einsatzprofil neu ausgerichtet, seine Struktur optimiert und seine personellen wie materiellen Fähigkeiten weiter optimiert.
Das Feldjägerbataillon 350 trägt dazu mit seinem spezifischen Aufgabenspektrum im Inland, aber auch durch seine Kräfteabstellungen im Ausland in angemessener Weise bei.
Attraktive Aufgaben, Vielseitigkeit der Anforderungen sowie die tägliche Bewährung im Feldjägerdienst unter den spezifischen Rahmenbedingungen der Bundeshauptstadt kennzeichnen den Verband und dessen Selbstverständnis als „Feldjägerbataillon BMVg“ in besonderem Maße.
Wie in der Vergangenheit werden sich auch zukünftig Fähigkeiten und Aufgabenspektrum der Feldjäger an veränderten Rahmenbedingungen konsequent auszurichten und fortzuentwickeln haben.
Das Feldjägerbataillon 350 verfügt dabei über gute Voraussetzungen, auch perspektivisch zu den spezifischen Anforderungen an die Bundeswehr in der Bundeshauptstadt einen angemessenen Beitrag leisten zu können.
Oberstleutnant Thieser ist Kommandeur des Feldjägerbataillons 350
Von Oberstleutnant Thieser







