Startseite 

  ÜBER DIE KAMERADSCHAFT

  DIE FELDJÄGERTRUPPE

  HILFSFONDS
  "FELDJÄGER HELFEN FELDJÄGERN"

  WIR GEDENKEN

  GESCHICHTE

  RESERVISTENARBEIT

  TRADITIONSVERBÄNDE

  VERANSTALTUNGEN UND TERMINE

  VEREINSZEITSCHRIFT
  "DER FELDJÄGER"

  WARENBESTELLUNGEN

  BUCHTIPPS

  IMPRESSUM

DIE KAMERADSCHAFT DEUTSCHLANDWEIT

Finden Sie uns überall in Deutschland »



  "DER FELDJÄGER"




Mediadaten »




Erstes deutsches Einsatzkontingent zur Seenotrettung im Mittelmeer

Aufgrund bürgerkriegsähnlicher Zustände in einigen Regionen Afrikas warten bis zu eine Million Menschen auf eine Fluchtmöglichkeit über die Seewege in Richtung Europa. Unter widrigsten Bedingungen versuchen sie, über den Mittelmeerraum nach Europa zu reisen und geraten dabei nicht selten in Seenot. Bereits Ende 2013 begann Italien im Rahmen der Operation „Mare Nostrum“ mit der Rettung Schifbrüchiger aus dem Mittelmeer. Diese wurde im daraufolgenden Jahr durch die Mission „Triton“ abgelöst. Als Reaktion auf eine schwere Flüchtlingskatastrophe im April 2015 gaben viele EU-Mitgliedsstaaten, unter anderem Deutschland, ihre Zustimmung zur Unterstützung der italienischen Marine im gesamten Mittelmeerraum. Die Bundeskanzlerin hat am 22. April 2015 beim Europäischen Rat eine Unterstützung der humanitären Flüchtlingshilfe mit maritimen Mitteln der Bundeswehr angeboten.



Mit ausgesprochen geringer Vorlaufzeit verlegten daraufhin 13 Feldjäger des Feldjägerregimentes 1 am 03.05.2015 nach Souda Bay auf Kreta. Rund sechs Wochen haben sie die Kommandanten an Bord des Einsatzgruppenversorgers BERLIN sowie der Fregatte HESSEN bei der Flüchtlingsaufnahme und -versorgung im Rahmen der Seenotrettung im Mittelmeer unterstützt.

Feldjäger der Bundeswehr retten Menschenleben im Mittelmeer

Nicht zuletzt aufgrund ihrer vielseitigen Fähigkeiten sind Feldjägerkräfte für die Rettung der in Seenot geratenen Personen sehr gut geeignet. Nach über 30 Stunden Reisezeit trafen die 13 Feldjäger der Bundeswehr am 03.05.2015 im Militärhafen in Kreta ein, wo sie bereits von den Marinekräften erwartet wurden. Sieben von ihnen gingen auf den Einsatzgruppenversorger BERLIN, sechs auf die Fregatte HESSEN. Für einige von den Feldjägern waren es die ersten Berührungspunkte mit der Teilstreitkraft Marine und vor allem mit einem Kriegsschif der Marine.

Eindrücke einer Soldatin

Eine von ihnen war Frau Stabsunteroizier (FA) Nicol D., welche über ihre ersten Eindrücke berichtete:



„Am 28.04.2015 erhielt ich von dem Personalfeldwebel unserer Einheit, der 8./Feldjägerregiment 1, die Information des bevorstehenden Einsatzes zur Seenotrettung im Mittelmeer. Da ich erst am 01.07.2015 zum Feldjägerfeldwebel befördert werde, überraschte mich dieser Anruf sehr. Es ist unüblich, als Unteroizier ohne Portepee in der Feldjägertruppe in den Einsatz zu verlegen. Das entgegengebrachte Vertrauen meiner Einheit sowie die eigene Befürwortung dieses Einsatzes untermauerten meinen Entschluss, die Anfrage binnen Sekunden zu bejahen. Die Eingewöhnung auf der Fregatte verlief relativ zügig und reibungslos. Die „Eigenarten“ der Marinesoldaten hingegen stellten uns vor größere Herausforderungen. Mit zunehmender Zeit an Bord neutralisierte sich allerdings auch dies, und das Leben auf dem Schif wurde alltäglicher“, so Frau Stabsunteroizier (FA) Nicol D.
„In der ersten Woche an Bord lernte man sich kennen, und es wurde bereits ein möglicher Ablauf mit durch den EGV BERLIN gestellten, in Seenot geratenen Personen geprobt. Man fühlte sich für den Ernstfall gut vorbereitet.“
Frau Stabsunteroizier (FA) Nicol D. schildert ihre persönlichen Eindrücke bezüglich ihres Aufgabenspektrums im Umgang mit der Rettung von in Seenot geratenen Personen:
„Zu meinen Aufgaben gehörte im Schwerpunkt die Durchsuchung der geretteten Frauen und Kinder. Nach der Anbordnahme der Personen wurden diese auf Wafen oder sonstige gefährliche Gegenstände durchsucht. Der Eigenschutz steht auch hier an oberster Stelle.
Häuig dauert die Rettung eines oder mehrerer Boote mehrere Stunden. Die Belastung der Feldjägerkräfte sowie der Kräfte des Bordeinsatzteams war enorm hoch. Die Fähigkeiten dieser Spezialisten können in diesem Fall nicht ausgetauscht werden.“ Am 29.05.2015 rettete die Fregatte HESSEN in einem Zeitfenster von über 30 Stunden 880 Menschenleben. Insgesamt handelte es sich um sieben Kleinboote, wobei eines schon beim Eintreffen der Fregatte zu sinken drohte. Nachdem alle vorbereiteten Maßnahmen zur Anbordnahme getrofen waren, befanden sich bereits viele der in Seenot geratenen Personen im Wasser und drohten zu ertrinken. Auch hier befanden sich Frauen und Kinder unter ihnen. Schnellstmöglich wurden durch das Bordeinsatzteam Rettungswesten bereitgestellt. Die Menschen gerieten in Panik, man hörte deren Schreie, das Weinen und sah, wie sie um ihr Leben kämpften. Die Schanz der Fregatte war nach der Anbordnahme aller Personen binnen Minuten überfüllt.



Die meisten von ihnen waren nackt und komplett mit Diesel übergossen. Sie weinten, da viele von ihnen noch Angehörige und Freunde vermissten. Man sah die Menschen beten. Sie fielen uns regelrecht in die Arme, und man spürte ihre Dankbarkeit. Ich denke, der Großteil dieses Bootes hätte nicht überlebt, wenn wir nicht rechtzeitig vor Ort gewesen wären. Ob wir an diesem Tag und von diesem Boot jedes Leben retten konnten, kann ich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Ich weiß, dass jeder Beteiligte an diesem Tag sein Bestes gegeben hat“, äußerte Frau Stabsunteroizier (FA) Nicol D.



Neben dem körperlich sehr fordernden Auftrag ist dies für jeden Soldaten natürlich auch emotional eine enorme Herausforderung. Alle Feldjäger arbeiten im engsten Kontakt mit den in Seenot geratenen Personen. Egal ob in der Durchsuchung oder im Sicherungsauftrag, die Soldatinnen und Soldaten hatten stets am persönlichen Leid der Menschen Teil.
Frau Stabsunteroizier (FA) Nicol D. schildert aus der Sicht als Soldatin:
„Plötzlich schauten mich diese kleinen Knopfaugen an. Mir wurde ein drei Monate junger Säugling überreicht. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Ich war erschrocken darüber, welche Anzahl an Frauen und Kindern sich letztendlich in den Booten befanden. Ich frage mich oft, wie verzweifelt eine Mutter oder ein Vater doch sein muss, sich, ihr Baby, ihr Kleinkind, ihren Sohn oder ihre Tochter dieser Gefahr auszusetzen. Mir wurden sehr viele Kinder in den Arm gelegt. Die Anzahl der Kinder kann ich gar nicht genau nennen.
Ich hatte diesen kleinen Jungen auf dem Arm, und er weinte und weinte. Er rief nach seiner Mutter, welche sich noch immer im Boot befand. Ich brachte ihn ins Lazarett, wo unser Ärzteteam einen ersten Blick auf den Säugling werfen sollte. Der Kleine krallte sich allerdings mit all seiner Kraft an meinen Schultern fest. Dieser Moment war einerseits wunderschön, andererseits aber auch ungeheuer traurig. Auch mir iel es in diesem Moment schwer, den kleinen Wurm aus den Händen zu geben. Das sind Augenblicke, welche einem wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben.
Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil dieses Einsatzes gewesen zu sein. In diesen Momenten spiegelt sich der Gedanke unseres Auftrages wider. Der Gedanke ist es, Menschenleben zu retten und weitere Unglücksfälle und Tote zu verhindern. Dafür sind wir hier, und das ist es, was uns als Soldatinnen und Soldaten in diesem Einsatz ausmacht.“

Eindrücke eines Soldaten

Keiner der sechs Feldjäger auf der Fregatte HESSEN war zuvor auf einem Marineschif gewesen, weshalb nicht nur die Orientierung auf dem Schif, sondern auch die Handhabung mit marinetypischen Abkürzungen und die Geplogenheiten der Besatzung anfangs große Schwierigkeiten mit sich brachten. „Alles auf dem Schif ist wesentlich beengter, als ich es von meinen bisherigen Erfahrungen bei der Bundeswehr gewöhnt bin. Privatsphäre gab es eigentlich nur auf den zwei Quadratmetern meiner Koje“, so Oberfeldwebel Nicolas S.
In den ersten Tagen an Bord mussten die Feldjäger viele organisatorische Aufgaben zur Vorbereitung auf den bald bevorstehenden Rettungseinsatz erledigen. Da es keinen vergleichbaren Einsatz in der Vergangenheit gab und somit auf keine Erfahrungsberichte von Feldjägern oder Marine zurückgegrifen werden konnte, war es notwendig, eine Handlungsanweisung für den gesamten Ablauf in allen Teilbereichen der Aufnahme von in Seenot geratenen Personen zu verfassen. Dies umfasste die erste Kontaktaufnahme mit dem Flüchtlingsboot bis zum Abschluss aller Erstmaßnahmen.
„Die Dauer und der Umfang einer solchen Seenotrettung ist im Vorfeld nie abzuschätzen. In einem Fall haben wir sieben Boote in Folge aufgenommen mit einer Gesamtanzahl von 880 Personen. Alle von uns waren über 16 Stunden konstant im Einsatz.“ An dieser Stelle endet der Einsatz jedoch nicht. Vielmehr ist nur der erste Schritt geschaft, der die Schifbrüchigen vor der unmittelbaren Gefahr des Ertrinkens bewahren soll. Im Anschluss an die Aufnahme wird mit einem rotierenden Schichtsystem von Wachstreifen verfahren, bei welchem die Feldjägerstreifen durch Marinekräfte verstärkt werden. Dies dient der inneren Sicherheit auf dem Schif und dazu, die grundlegenden Bedürfnisse der aufgenommenen Personen zu gewährleisten. Exemplarisch seien hier die Verplegung und sanitätsdienstliche Versorgung genannt.

Zwischen Freude und Trauer

Neben der physischen Durchhaltefähigkeit erforderte der Einsatz auch eine hohe psychische Belastbarkeit. Alle Soldatinnen und Soldaten der Feldjäger haben im engsten Kontakt mit den in Seenot geratenen Personen gearbeitet. „Wir hatten viele Kleinkinder und auch Säuglinge an Bord. Außerdem auch viele Menschen, die durch Krankheiten oder Verletzungen sehr schwach waren. In solchen Momenten fragt man sich, welche Schicksale diese Menschen in ihrer Heimat erdulden mussten, dass sie unter solchen Voraussetzungen die Überfahrt nach Europa gewagt haben“, erläuterte Oberfeldwebel Nicolas S.



Einen besonders anspruchsvollen Fall der Seenotrettung hatten die Feldjäger bei einem Schlauchboot, welches unmittelbar vor dem Eintrefen der Fregatte HESSEN bereits zu sinken begonnen hatte. Die knapp 100 Schifbrüchigen – nur jeder Zweite notdürftig mit einer Rettungsweste ausgerüstet – befanden sich bereits zu einem Großteil im Wasser und kämpften um ihr Überleben. Männer, Frauen und Kinder – alle befanden sich in einem kritischen Zustand, und nun musste die Entscheidung getroffen werden, wem zuerst Hilfe zukommen sollte. „Natürlich hatten diese Menschen Panik. Man wurde mit allen erdenklichen Gefühlslagen konfrontiert. Im Wasser hörte man sie um Hilfe schreien, auf der Fregatte lagen sie sich weinend in den Armen und waren voller Freude, noch am Leben zu sein. Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, aber ich möchte daran glauben, dass wir jeden retten konnten.“
Unter größtmöglicher Sicherheit und mit der maximalen Geschwindigkeit verlegte die Fregatte im Anschluss an den nächstmöglichen italienischen Hafen. Dort angekommen waren erneut alle Feldjäger im Schwerpunkt. Auch nach über 24 Stunden Dauerbelastung war weiterhin die volle Konzentration erforderlich. Nicht nur ein wachsames Auge für die innere Sicherheit, sondern auch die direkte Kommunikation in englischer Sprache mit der italienischen Polizei, Ärzten und Hilfskräften waren erforderlich. Nach 35 Stunden konnte der Einsatz schließlich erfolgreich abgeschlossen werden. Nachdem der letzte Flüchtling die HESSEN verlassen hatte und im italienischen Hafen entgegengenommen wurde, konnte man den Feldjägern und den zur Unterstützung eingeteilten Marinekräften die Erschöpfung und Müdigkeit deutlich ansehen, aber ebenso auch Erleichterung und Zufriedenheit über den Erfolg der Mission. Als die Fregatte kurz darauf ablegte und aus dem Hafen auslief, konnte man auf dem Dock die Dankbarkeit der Geretteten erkennen, welche winkend und mit einem Lächeln das Schif verabschiedeten. Abschließend kommentierte Oberfeldwebel Nicolas S.:
„Am emotionalsten habe ich den Moment empfunden, als ich einer vielleicht 20-jährigen Mutter ihren geretteten Säugling überreichte und sie vor Freude zu weinen begann. Diese Momente sind es, die einem klar vor Augen führen, dass wir das Richtige getan haben. Ich bin stolz, Teil dieser Mission gewesen zu sein.“



Text und Bild: 9./Feldjägerregiment 1





« zurück zur Startseite


  WARENKORB

KONTAKT





Kameradschaft der
Feldjäger e.V.

Kugelfangtrift 1
30179 Hannover

Telefon: 0511/47468844
Telefax: 0511/47468845

E-Mail: info@feldjaeger.de

Sprechzeiten der Bundesgeschäftsstelle:
Dienstag, 08:30 – 13:00 Uhr
Mittwoch, 08:30 – 13:00 Uhr
Donnerstag, 08:30 – 13:00 Uhr


MITGLIEDERBEREICH



Informationen und Downloads für Mitglieder und Interessierte »


VERANSTALTUNGEN





Details und weitere Veranstaltungen »


VORSTANDSINFORMATIONEN



Passwortgeschützter Bereich für den Bundesvorstand »

Passwortgeschützter Bereich für die Ortsvorstände »

Copyright © 2015 Kameradschaft der Feldjäger e.V. Alle Rechte vorbehalten.