Tradition und Geschichte
Seit 50 Jahren aufs Engste mit der Truppengattung verbunden, schöpfe ich heute noch aus dem eigenen Erleben als Feldjäger in der Feldjägerkompanie 4 und der Luftlandefeldjägerkompanie 9, sowie aus meiner späteren Verwendung im Spezialstab ATV der Schule in Sonthofen. Da das aber bereits über zwanzig Jahre zurück liegt, bin ich bei meiner Arbeit zur Aktualität zunehmend auf die bundesweite Mithilfe aus der Truppe und der Kameradschaft angewiesen.
Auftragsgemäß archiviere und dokumentiere ich auch in diesem Jahr zu unserer Geschichte, unterstütze die MGLS bei der Gestaltung einzelner Themen und neuerdings auch das Autorenteam der Schule durch Zuarbeit bei der Herstellung einer Digitalen Unterrichts Hilfe (DUH) zur „Geschichte der Feldjägertruppe der Bundeswehr“. Nicht zuletzt leiste ich derzeit Vorarbeit für die Bände 1 und 2 unserer Trilogie. Inzwischen arbeiten wir am Band 1, der sich insbesondere mit den „Namensvorläufern“ unserer Truppengattung befasst. Mit dem Band 2 folgen dann noch die „Aufgabenvorläufer“. Darüber hinaus fassen wir zurzeit auch die im Feldjäger veröffentlichten Beiträge zur Geschichte zusammen.
So z.B. folgende Berichte:
Wir sind aber auch stets auf der Suche nach weiteren interessanten Beiträgen und kleinen Geschichten zur Truppengattung.
Wir sind dabei, im Archiv eine kleine militärgeschichtliche Bibliothek zusammenzustellen und verfügen bereits über einen gewissen Bestand. Für den weiteren Ausbau sind wir an Büchern zur Geschichte der Feldjäger und der Feldgendarmerie interessiert. So insbesondere auch an Divisionschroniken mit Beispielen zum Einsatz der Feldjäger und der Feldgendarmen! Darüber hinaus helfen Sie uns aber auch mit entsprechenden Literaturhinweisen.
Zusammenfassend wiederhole ich auch heute: Wir sind inzwischen ein gutes Stück vorangekommen, haben aber noch Nachholbedarf und die Zeit drängt. Darum rufen wir auch immer wieder zur bundesweiten Unterstützung auf. Weitere Beiträge und Unterlagen richten Sie bitte nach wie vor an:
Karl-Heinz Kreutz
Strausbergstraße 71
87527 Sonthofen
Tel/Fax: 08321/84556
E-Mail: karlheinz.kreutz@t-online.de
Gerne nehme ich aber auch die Gelegenheit wahr, auf diesem Wege für die im zurückliegenden und auch bereits wieder im neuen Jahr gewährten Unterstützung, guten Wünsche, aufmunternden Worte Dank zu sagen und verbleibe mit kameradschaftlichem Gruß
Ihr Karl-Heinz Kreutz
Wieso Y?
Immer auf der Suche nach Antworten auf die noch offenen Fragen zur Geschichte der Feldjägertruppe, fand ich jetzt im Mitteilungsblatt der Kameradschaft der Angehörigen der Instandsetzungs- und Nachschubtruppe des Heeres „Der blaue Bund” die Antwort auf die im Kameradenkreise immer wieder einmal gestellte Frage, warum eigentlich „Y” auf dem Kfz-Kennzeichen unserer Kraftfahrzeuge?
Wieso Y ? von Brigadegeneral a.D. Kurt Vogel
Sehr begrüßt habe ich das neue Magazin der Bundeswehr. Besonders hat mich die Bezeichnung Y gefreut. Doch nehme ich an, dass niemand von den heute noch Lebenden außer mir weiß, warum der Buchstabe Y das Kennzeichen der Kraftfahrzeuge der Bundeswehr wurde. Deshalb will ich in meinem 93. Lebensjahr noch rechtzeitig darüber berichten. Ich war 1952 von der damaligen Dienststelle Blank gefragt worden, ob ich bei der Vorbereitung neuer Streitkräfte mitarbeiten wolle, insbesondere aufgrund meiner Erfahrungen im und nach dem Krieg auf den Gebieten der Rad- und Kettenfahrzeuge, der Organisation und Ausbildung der Instandsetzungsdienste und auch des Kraftfahrwesens. So kam es, dass ich auch an einer Tagung der Bundesministerien in Flensburg teilnahm, in der die neuen Kennzeichen der Kraftfahrzeuge festgelegt wurden wie z.B. M für München. So auch für Bahn, Post, BGS. Ich sollte als Vertreter der geplanten Streitkräfte einen Vorschlag machen. Wegen der voraussichtlichen großen Zahl der Fahrzeuge war wie bei Großstädten nur ein Buchstabe möglich. Auf meine Frage welche Buchstaben noch frei wären, wurden mir X und Y genannt. Ich entschied mich für Y. Den Namen „Bundeswehr” für die neuen Streitkräfte gab es noch nicht. Im neuen Verteidigungsministerium war für das Kraftfahrwesen ein Referat, Oberst Dipl. Ing. Bock, zuständig. Er wurde von Franz Josef Strauß, der Minister geworden war, gefragt, wieso ein solch blödsinniges Y das Kfz-Kennzeichen geworden sei. Oberst Bock fragte mich _ ich war inzwischen in der Personalabteilung für technische Offiziere des Heeres zuständig _ und ich schilderte ihm den Hergang der Kennzeichen-Auswahl. Da bereits viele Fahrzeuge von der neuen zentralen militärischen Kraftfahrstelle eine Nummer mit dem Y erhalten hatten, blieb es dabei.
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Historie der Erkennungsmarke
Diese militärhistorische Abhandlung beschäftigt sich mit einem Gegenstand den jeder Soldat gut kennt, der Erkennungsmarke. Im Volksmund leider auch oft als „Hundemarke“ bezeichnet. Den Wenigsten dürfte jedoch die Historie bekannt sein.
Der Gedanke, Soldaten im Felde mit Identifizierungsmarken auszustatten, entstand bereits im 19. Jahrhundert und beruhte auf der Erkenntnis, dass unzählige gefallene Soldaten vergangener Schlachten in Massengräbern namenlos beigesetzt werden mussten. So ist bekannt, dass auch noch acht Monate nach der Schlacht bei Königgrätz (1866 – „Deutsch – Österreichischer Bruderkrieg“), die Identität von ca. 1500 Gefallenen nicht festgestellt werden konnte! Dies war vermutlich die Geburtsstunde der Recognoscirungsmarke, bzw. Rekognitionsmarke, dem Vorläufer der Erkennungsmarke. Die ursprüngliche Form war rechteckig mit abgerundeten Kanten, das Material gusseisern und hatte etwa die Maße 4 x 3 cm. Es wurden anfangs nur die Bezeichnung des Truppenteils und die Matrikelnummer eingeschlagen. Die Nummer auf der Marke musste mit der Nummer des Soldaten in der Kriegsstammrolle übereinstimmen.
Noch in der Kaiserzeit änderte sich die Form von rechteckig in oval und der Begriff endgültig in Erkennungsmarke. Eins blieb jedoch immer gleich, die befohlene Trageweise um den Hals. Anders verhielt es sich mit den Angaben auf der Marke, es wurden weitere Personalien angebracht, zumeist Name und Heimatanschrift, in manchen Fällen auch der Dienstgrad. Bei Versetzung wurde keine neue Marke ausgestellt, sondern der neue Truppenteil eingeschlagen und die alte Einheit gestrichen. Aus der Zeit des 1. Weltkrieges sind Erkennungsmarken aus den verschiedensten Metallen und sogar vorschriftswidrige, abweichende Formen bekannt. Offiziere waren damals bereits „Selbstbeschaffer“ und trugen nicht selten versilberte Erkennungsmarken.
Erkennungsmarken aus der Zeit des 1. und 2. Weltkrieges sind keine Seltenheit, besaß sie doch jeder Soldat. Ein bisschen Glück gehört jedoch dazu, solche von Angehörigen der Feldgendarmerie zu bekommen.
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Horrido
Es begab sich zu einer Zeit, da Friedrich der Große bei der Vorbereitung des Ersten Schlesischen Krieges erkannte, dass die bestehende Struktur seiner Truppen zwar gut war, jedoch noch optimiert werden könnte. Für die reibungslose Verlegung seiner Truppen benötigte er gewandte Männer, die sich in der Geländeausnutzung auskannten. So begründete er – bekanntermaßen mit der Kabinettsorder vom 24. November 1740- das Reitende Feldjägerkorps.
Die Angehörigen des Korps rekrutierten sich ausnahmslos aus Forstbeamten bzw. Anwärtern für den gehobenen und mittleren Forstdienst – demnach Jägern. Diese brachten naturgemäß nicht nur ihre Erfahrungen sondern auch ihre Sitten und Gebräuche mit. Dazu zählte auch- wenngleich nicht historisch belegt, so doch nachvollziehbar – der Ehrenruf der Jäger: „Horrido!”
Das „Horrido!” des Jägers, als Hochruf bei festlichen Gelegenheiten ausgebracht, wird durch die Anwesenden mit „Joho!” beantwortet. Der Ursprung der Worte reicht indes wesentlich weiter zurück, als das Reitende Feldjägerkorps es vermuten ließe: Der Hetzruf des Rüdemeisters, des Führers der Hundemeute bei der Sauhatz, „Ho, Rüd` ho”, ist der Ursprung des ersten Teils. Aus „Ho, Rüd`, ho!” ist im Mittelhochdeutschen (etwa 1050 bis 1350), durch Zusammenziehen „Horrido!” geworden. Auch der zweite Teil des Schlachtrufes, der Antwortruf „Joho!” entstammt wohl dem Jagdgeschrei bei Saujagden. Auch hier kann die Aufforderung des Rüdemeisters an die Hetzhunde „Jo, ho, ho, rüd o! Huch su!” als maßgeblich angenommen werden.
Mit Umbenennung der Militärpolizei der Bundeswehr in „Feldjäger” Anfang 1956 nahm man bewusst Bezug auf das Reitende Feldjägerkorps Friedrich des Großen. Die Angehörigen dieser neuen, stolzen Truppe, benötigten als äußeres Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit und ihrer inneren Verbundenheit einen Ruf. Die Wurzeln des „Horrido! – Joho!” in der Feldjägertruppe der Bundeswehr genau festzumachen, ist nicht möglich. Etwa in den späten 1970er Jahren hat dieser Ruf andere, unterschiedliche, oft regional geprägte Schlachtrufe abgelöst.
Der Vorwurf, die Feldjägertruppe hätte den Ruf der Jägertruppe übernommen, ist so oft gehört wie falsch. Das Reitende Feldjägerkorps wurde 1740, demnach ein Jahr vor dem Feldjägerkorps zu Fuß (1741), aufgestellt. Wenngleich sich in den Reihen der Infanteristen sicherlich zuvor auch vereinzelt Waidmänner fanden, so ist die enge Bindung zwischen Waidwerk und Soldatentum und damit auch die Mischung von Jägerbräuchen und Soldatentum erst durch das Reitende Feldjägerkorps zustande gekommen.
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Das Eiserne Kreuz
Das Eiserne Kreuz hat einen festen Platz in der deutschen Geschichte. Zunächst als Tapferkeitsauszeichnung gedacht, entwickelte es sich bald zum Staatssymbol. Seit 1956 ist es das Hoheitszeichen der Bundeswehr.
Das Eiserne Kreuz von damals bis heute (Quelle Redaktion Internet Bw)
“In der jetzigen großen Katastrophe, von welcher für das Vaterland alles abhängt …” So beginnt die Stiftungsurkunde des Eisernen Kreuzes, die von Preußens König Friedrich Wilhelm III. in Breslau unterzeichnet wurde. Sie trägt das Datum des 10. März 1813.
Mit dem Befreiungskrieg gegen Napoleon beginnt die Geschichte des bekanntesten deutschen Ordens. Der künstlerische Entwurf des Eisernen Kreuzes stammt von Karl Friedrich Schinkel, dem preußischen Architekten und Bildhauer. Der Geist der Befreiungskriege spiegelt sich in der Verleihung des Ordens wider. Ohne Unterschied im Rang wurden Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften damit ausgezeichnet.
Jeder zwanzigste Kriegsteilnehmer erhielt für seine Taten das Eiserne Kreuz. Etwa 9.000 Auszeichnungen wurden direkt ausgegeben, die übrigen Träger mussten warten, bis Ausgezeichnete verstarben und deren Kreuze erneut ausgegeben werden konnten. Preußen war arm und musste sparen.
Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde das Eiserne Kreuz wieder verliehen. Dabei blieb es in seiner Form gleich, nur das Stiftungsjahr auf der Vorderseite wurde geändert. Auch Angehörige nicht preußischer Kontingente konnten nun die Auszeichnung erhalten.
Die dritte Stiftung erfolgte zu Beginn des Ersten Weltkrieges am 5. August 1914 durch Kaiser Wilhelm II. Von den rund 13 Millionen Kriegsteilnehmern erhielt fast jeder Dritte eines der Eisernen Kreuze am schwarzen und weißen Bande verliehen.
Zudem wurde das Eiserne Kreuz im Ersten Weltkrieg erstmals als deutsches Hoheitszeichen verwendet und für diesen Zweck vereinfacht. So war es z.B. auf den stoffbespannten Tragflächen der ersten deutschen Militärflugzeuge zu finden.
Im Zweiten Weltkrieg wurden noch weitere Stufen des Eisernen Kreuzes eingeführt. Die Testpilotin Hanna Reitsch bekam 1942 als einzige Frau das Eiserne Kreuz verliehen. Zum Balkenkreuz verändert, prangte es zudem auf den Panzern und Flugzeugen der Wehrmacht.
Von den Offizieren des 20. Juli 1944 waren 13 Inhaber des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes. 711 Ritterkreuzträger dienten später in der Bundeswehr, von denen 114 einen Generalsrang erreichten. Insgesamt wurde das Eiserne Kreuz etwa 2,3 Millionen Mal während des Krieges verliehen.
Mit der Aufstellung der Bundeswehr erinnerte man sich in den fünfziger Jahren wieder an die traditionelle Tapferkeitsauszeichnung. So schmückte es als einzige Dekoration die Kraftfahrzeughalle in Bonn, in der die ersten 101 Soldaten der neuen Streitkräfte durch Verteidigungsminister Theodor Blank ernannt wurden.
Mit Anordnung des Bundespräsidenten vom 1. Oktober 1956 wurde das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen der Bundeswehr. Heute fungiert es in den Farben Blau und Silber als Symbol für die neue Bundeswehr. Diese Form ersetzt jedoch nicht das traditionelle schwarze Hoheitszeichen.
Galerie des Eiserne Kreuz
Das Eiserne Kreuz hat in seiner langen und wechselvollen Geschichte viele optische Veränderungen erfahren, die wir hier für sie einmal zusammengestellt haben. (Quelle Symbole: Hans-Peter Stein, Symbole und Zeremoniell in deutschen Streitkräften, Herford und Bonn 1984)
| Vorform des eisernen Kreuzes | Ausgeführter Entwurf von K.F. Schinkel 1813 | ||||
| Hoheitszeichen im Ersten Weltkrieg | Das Balkenkreuz nach Ende des Ersten Weltkrieges | ||||
| Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes | Das Eiserne Kreuz seit 1956 | ||||
| Das neue Logo der Bundeswehr |
Die Herkunft unserer Truppenfarbe
Orange – eine Farbe von vielen, wird sich der Leser denken, doch das ist weit gefehlt.
Die Waffenfarbe der Feldjägertruppe auf Kragenspiegel, als Paspelierung oder als Litzen verwandt, ist eine noch junge Waffenfarbe, im Gegensatz zur Farbe Grün der Jäger und Schützen, als einer der ältesten Farbe einer Waffengattung in der deutschen Militärgeschichte überhaupt. Die Farbe Orange war in Brandenburg/Preußen nur selten anzutreffen und ist kaum als Wappen- bzw. Fahnenfarbe in früherer Zeit in Erscheinung getreten. Obwohl Orange im Sinne der Heraldik eigentlich keine Farbe ist, so wird sie doch in Preußen als heraldische Farbe geführt und findet sich seit dem 17. Jahrhundert immer wieder einmal im altpreußischen Heer als Kennzeichnungsfarbe auf Fahnen und an der Uniform (lat. Vestitura uniformis) als Besatztuch oder Rockschleifen.
Allerdings wurde die Farbe auch in anderen Armeen in Europa vereinzelnd als Abzeichenfarbe verwendet. Oranien (franz. Orange ) war eine dem Königshaus Preußen besonders nahe stehende Farbe. Sie weist zum Andenken auf die erste Frau des Großen Kurfürsten FriedrichWilhelm von Brandenburg (1620-1688), Prinzessin Luise Henriette von Nassau-Oranien hin, deren Wappenfarbe Orange war. Luise Henriette war die Mutter des ersten preußischen Königs Friedrich I (1657-1713) und zugleich das Enkelkind Wilhelms I. von Oranien. In Anlehnung an die oranische Verwandtschaft bekamen die Söhne des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm I. 1708 und 1712 von König Friedrich I. von Preußen auch den Titel eines Prinzen von Oranien verliehen. Im Jahre 1806 wurde Generalleutnant Wilhelm Friedrich Fürst von Oranien-Fulda Chef des preußischen Infanterieregiments Nr. 19 (später dann „Prinz von Oranien“). Diese Regelung bestand bis 1713 und wurde dann durch den Soldatenkönig (1713-1740) abgeschafft.
Die Heirat des Großen Kurfürsten mit Luise Henriette von Oranien hatte ein „niederländisches Jahrhundert“ im Sinne einer politischen und kulturellen Orientierung zur Folge. Das Geschlecht der Oranier verdankt seine Farbe dem kleinen Fürstentum Orange im Rhonetal oberhalb von Marseille in Südfrankreich. Das Fürstentum war im Jahre 1530 durch Heirat an die Grafschaft Nassau-Chalons und 1544 an Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, genannt „der Schweiger“, dem späteren königlichen Statthalter der Niederlande, gefallen. Er befreite später die Niederländer vom spanischen Thron und wurde 1584 ermordet. Mit Wilhelm I., der auch Prinz von Oranien war, erfolgte dann die Gründung des Hauses Nassau-Oranien. Die zugesagte Reichshilfe u.a. mit Truppen im spanischen Erbfolgekrieg (1702-1714), die Brandenburg dem deutschen Kaiser Leopold I. (1657-1705) leistete sollte, machten den Weg frei, am 24. Juli 1700 die Zustimmung des Kaisers zu erreichen, um Preußen zum Königreich zu erheben. Die Krönung fand mit großem Prunk am 18. Januar 1701 in Königsberg statt. Nachdem Preußen im Reichskrieg 1702 dem Bündnis gegen Frankreich beigetreten war, verstarb 1702 Wilhelm-Heinrich III. von Oranien, Statthalter der Niederlande und König von England seit 1689, ohne Nachkommen.
Obwohl Friedrich I. in Preußen sein nächster Verwandter war, konnten die Erbansprüche auf Oranien erst 1732 gelöst werden. Der preußische militärische Beitrag wurde nach Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzung im Frieden von Utrecht und Rastatt 1712/13 und 1714 zwischen dem Sonnenkönig Frankreichs und Spanien auf der einen Seite und dem deutschen Kaiser mit seinen Verbündeten Großbritannien, Niederlande, Portugal, Preußen und Savoyen auf der anderen Seite, von den Großmächten nur ungenügend gewürdigt. Im Gegensatz zu den großen Gebietszuwächsen und Titeln der anderen Staaten wurde Brandenburg lediglich mit Gebietsfetzen wie Neuenburg (Neuchatel) in Personalunion, Lingen und dem früheren spanischen Herzogtum Obergeldern abgefunden. Auch der Anspruch auf das Fürstentum Nassau-Oranien war ihm verwehrt worden, sodass Nassau-Oranien 1715 an Frankreich fiel. 1806 wurde das vereinigte Fürstentum Nassau-Oranien aufgelöst und zum großen Teil dem Großherzogtum Berg (Raum Düsseldorf) zugeschlagen. Da sich seit dem 18. Jahrhundert das preußische Heer stark vermehrt hatte, wurden weitere Kennzeichnungsfarben für die Armee erforderlich, und so kamen mit der Regierungszeit Friedrich des Großen (1740-1786) bis 1806 zusätzlich weitere zwölf Farben als Abzeichen und Kennzeichnungsmerkmale, darunter auch Orange, hinzu.
Unter diesem historischen Hintergrund findet sich in der preußischen Armee die Farbe und Bezeichnung Orange dann auch vereinzelt in Uniformen als Abzeichenfarbe und in Regimentsfahnen wieder. So unter anderem bei den Regimentern Volckmann und Goldow um 1637, Regiment zu Fuß Graf Dohna Nr. 16 von 1689, Markgraf Philipp Wilhelm von Brandenburg Nr. 12 von 1685, Regiment zu Fuß von Winterfeld Nr. 1 von 1713, Infanterie Regiment Nr. 30, Füsilier-Regiment Markgraf Heinrich Nr. 42 von 1741, der Tambour des Füsilier-Regiments Nr. 49 von 1741, Garnisons-Regiment IX. von 1743, Infanterie Regiment Nr. 45 von Dassow von 1743, Bosniaken-Regiment Nr. 9 von 1745, die Infanterieregimenter Nr. 4 von Kalckreuth von 1806, Nr. 14 „Prinz von Oranien“ und von Plötz Nr. 42 1806 oder auch das Garde-Reserve-Infanterie Regiment von 1860. Wie bereits beschrieben, fand sich auch in der Bezeichnung eines Regiments der Begriff wieder, so 1833 beim Nassauischen Feldartillerie-Regiment Nr. 27 Oranien.
Als Besonderheit ist zu bemerken, dass im Gegensatz zu den Regimentern der preußischen Armee das Feldjägerkorps und auch die Jägertruppe keine Feldzeichen und Fahnen geführt haben, da die Jägertruppe kein ständiger Truppenkörper und in der Regel für besondere Gefechtsarten eingesetzt war. Sollte ein Regiment für besondere Leistungen ausgezeichnet werden, so wurden durch den König dem Regiment für die Fahne oder das Feldzeichen sogenannte Paradebänder verliehen, was allerdings sehr selten vorkam. Nachgewiesen ist, dass das 1. Garde Regt. und das 3. Garde Rgt. zu Fuß sowie der Standarte des Garde du Corps am 18. August 1895 die Ehre zuteil wurde. Das Paradeband bestand aus einem orangenem Seidenband und war mit dem Stern und Kreuz des hohen Ordens vom Schwarzen Adler dekoriert. Mit der Stiftung des „Schwarzen Adler Orden“ am 18. Januar 1701 sehen wir die Farbe Orange auch im silbernen Bruststern als Hintergrundfarbe des Schwarzen Adlers und als Hauptfarbe des Schulterbandes/Schärpe, welches von der linken Schulter nach der rechten Hüfte getragen wurde. In vielen zeitgenössischen Abbildungen sind preußische Könige und Kaiser mit dem Orden abgebildet, und diese geben durchaus eindrucksvoll die Farbe Orange wieder. In den nachfolgenden Jahrzehnten bis 1936 war eine andere Verwendung als eine heraldisch gebräuchliche Farbe zur Kennzeichnung von Truppen nicht üblich. Nachdem am 21. Juni 1920 die Umbennung von Landgendarmerie in Landjägerei und 1934 in Gendarmerie erfolgt war, sehen wir, dass jetzt der Gendarmerie die Farbe zugeordnet wird.
Allerdings ist es nicht erklärlich, warum gerade Orange mit der Gendarmerie in Verbindung gebracht wurde. Gemäß den Bestimmungen von 1936 trugen jetzt Gendarmerie-Wachtmeister und -Meister (Sammelbegriff) als Abzeichentuch die Farbe Orange. Unter die Uniformtragebestimmungen mit der Farbe Orange der Gendarmerie fielen die Kragenspiegel, die Unterlage der Dienstgradabzeichen, die Paspelierung des Uniformrocks, die Mütze sowie auch das Polizeihoheitsabzeichen mit schwarzem Adler und dem Schriftzug des Standortes (ab 1937), welches als Ärmelabzeichen getragen wurde. Doch auch von den Wehrersatzdienststellen, der Heeres-Pionier-Lehranstalt, den Feldzeugeinheiten, von Waffenoffizieren und Uhrmachertrupps wurde zunächst Orange als Waffenfarbe getragen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und der Errichtung von ständigen Feldgendarmerieeinheiten übernahmen diese die Abzeichenfarbe der Gendarmerie als Truppenfarbe. Nun war es aber auch nicht verwunderlich, dass die Feldgendarmerie die Farbe erhalten hat, stellte doch schon seit 1936 die Gendarmerie und auch die Schutzpolizei das Rahmenpersonal für den militärischen Ordnungsdienst im Heer. Erstmals 1936 für die Truppenübung des Gruppenkommandos 2 für Absperr- und Sicherheitsmaßnahmen und dann (1938) bei der Besetzung Österreichs und des Sudetenlandes.
Damit führten mit Beginn des Krieges die Mannschaften und Unteroffiziere der Feldgendarmerie Orange in ihren Dienstgradabzeichen, Kragenspiegeln und dem Hoheitsabzeichen mit schwarzem Hakenkreuz (wie der Polizeiadler) als Ärmelabzeichen. Doch auch die Angehörigen der zum Verkehrsdienst von 1939-1941 bestehenden Verkehrsregelungsbataillone trugen zur Kennzeichnung eine rot-orangene Armbinde mit der Aufschrift „Verkehrsaufsicht“. Mit der Besetzung Deutschlands durch die Alliierten und der Notwendigkeit, wieder ein Ordnungsorgan zur Verfügung zu haben, um dem Chaos entgegenzutreten, wurden zunächst ehemalige Wehrmachtsangehörige für diese Aufgabe verpflichtet. In Ermangelung einer einheitlichen Uniform trugen diese Hilfspolizisten teilweise ihre alte Wehrmachtsuniform weiter, darunter fielen auch die Angehörigen der Gendarmerie und auch der Feldgendarmerie. Zusätzlich wurde am linken Arm eine weiße Binde mit der schwarzen Aufschrift „M.G.-Police – Polizei“ (Military-Government-Polizei) oder „M.R.-Police – Polizei“ (Military-Regierungs-Polizei) geführt. Nach Aufstellung der neuen Streitkräfte 1955 erfolgte wieder eine Zuordnung von Abzeichen und Erkennungszeichen für die einzelnen Truppen und Waffengattungen. Doch sollten zunächst alle alten Zöpfe abgeschnitten werden, und so wurde die Uniform der neuen Bundeswehr dem amerikanisch-englischen Vorbild angepasst. Nur die sogenannte Bergmütze erinnerte noch an die Wehrmacht.
Doch besann man sich im Laufe der Jahre Gott sei Dank bei Einzelheiten in der Uniformgestaltung eines Besseren und griff wieder auf bewährte deutsche militärische Traditionen zurück. Zunächst wurde in der Feldjägertruppe bis 1957 an beiden Kragenecken des Ausgeh-, Dienst- und Arbeitsanzuges (Affenjacke) als Kennzeichnung der Waffengattung ein einfacher altgoldener metallener Prägestern getragen. So trug Oberst E. Koch als Leiter AbtFJgWesen im WBK I (ab 1965 deutscher Bevollmächtigter im Bereich AFNORTH) Kiel noch Ende der sechziger Jahre bei einer NATO-Übung in Flensburg zum Arbeitsanzug den Metallstern an den Kragenecken. Ab 1959 wurden dann wieder Waffenfarben in die Bundeswehr eingeführt, und die Feldjägertruppe bekam die alte Traditionsfarbe der Gendarmerie „Orange“ zugewiesen. Warum man sich gerade für Orange entschieden hat, ist nicht eindeutig nachzuweisen, doch liegt die Vermutung nahe, dass durch den ähnlichen Aufgabenbereich mit der ehemaligen „Feldgendarmerie“ der Wehrmacht die Farbe Orange für die Feldjägertruppe geeignet erschien.
Obwohl die Bundeswehr sich ohne Zweifel eine eigene Tradition geschaffen hat, so ist doch unzweifelhaft, dass auch die Bundeswehr sich immer wieder auf vielen Gebieten an die historischen Gegebenheiten und Wahrheiten anlehnen musste. Nach der neuen Regelung wurden Änderungen in der Kennzeichnung an der Uniform der Bundeswehr nach dem Wegfall der „Sterne“ notwendig, und es erfolgte im Heer wieder die Einführung farbiger Kragenspiegel, je nach Waffengattung. Bei den Angehörigen der Feldjägertruppe wurden die Schulterklappen, der Kragenspiegel, der Kragen, die Schirmmütze, das Schiffchen und die Seitennähte (Biesen) der dunkelgrauen Uniformhosen mit ihrer neuen Waffenfarbe Orange unterlegt bzw. paspeliert.
Die Uniformbestimmung der Paspelierung galt bis Ende der sechziger Jahre und fiel dann wieder weg, die Paspelierung des Schiffchens und des Kragens erst 1977. Die Offiziere trugen dagegen zum Dienst- und Ausgehanzug bis heute zur Einfassung an der Mütze, des Schiffchens und an Kragen und Schulterklappen grundsätzlich eine silberne Kordel, wobei die Tuchunterlage der Dienstgradabzeichen Orange war. Bei den Unteroffizieren mit Portepee bestand die Krageneinfassung aus einer altgoldenen Kordel. Zusätzlich wurden bei den einzelnen Waffengattungen des Heeres farbige Flachlitzen in ihrer Waffengattung eingeführt. Damit erhielt die Feldjägertruppe orangefarbene Litzen, die am Ärmeleinsatz auf beiden Schulterklappen u.a. zum Feldanzug/Tarndruck getragen werden.
In der alten Armee waren die Litzen ursprünglich verstärkte eingefasste Knopflöcher des Rockes für Mannschaften und Unteroffiziere bei bestimmten Regimentern. In der Reichswehrzeit ab 1919 wurden erstmals auf den Kragenspiegeln, die in der Farbe der jeweiligen Waffengattungen ausgeführt waren, Litzen aus feinem Silberdraht angebracht. Auch im Verbandsabzeichen der Feldjägerschule in Sonthofen, als Schule des Heeres bis 2003, sehen wir ebenfalls die Waffenfarbe Orange. Im schildförmigen Verbandsabzeichen wurde Orange als farbliche Umrandung mit zwei gekreuzten Schwertern und einem darunter befindlichen „S“ geführt. Verbandsabzeichen werden nach wie vor auf dem linken Oberarm der grauen Dienstjacke/Mantel getragen. Aber auch von den vielen Modellen der Verkehrsregelungswesten der Feldjägertruppe war bei einem Modell Orange als Kennzeichnungsfarbe überwiegend verwendet worden. Abschließend ist anzumerken, dass viele Einheiten der Feldjägertruppe nach wie vor die Farbe als herausstechendes Merkmal ihrer Truppengattung in Abzeichen und Kennzeichnungen führen und verwenden. Bleibt festzustellen ,dass die Waffenfarbe auf den Großen Kurfürsten zurückgeht und die Feldjägertruppe auch über die Waffenfarbe ein Stück Preußen symbolisiert.
Literaturverzeichnis
Anzugsordnung der Bundeswehr ZDv 37/10 von 1959 und 1996
Archiv Schrader
Bleckwenn, Hans: „Altpreußische Uniformen“, Harenberg 1981
Deutsches Soldaten Jahrbuch 1981: Element preußischer und deutscher Uniformierung in der Dienstbekleidung des Heeres und der Luftwaffe der Bundeswehr. S. 395
Deutsches Soldaten Jahrbuch 1982: Namenszüge und Embleme auf den Schulterklappen und Epauletten deutscher Truppenteile der „Alten Armee“. S. 197 und Element preußischer und deutscher Uniformierung in der Dienstbekleidung des Heeres und der Luftwaffe der Bundeswehr. S. 306 ff
Deutsches Soldaten Jahrbuch 1996
„König Friedrich I. in Preußen“ von Gerd F. Heuer, S. 75
Dorn, Günter
Engelmann, Joachim: Die Infanterie-Regimenter Friedrichs des Großen 1756-1763, Augsburg 1992
Fiebig, Ewald: Unsterbliche Treue, Berlin ohne Jahrgang
Lezius, Martin: Das Ehrenkleid des Soldaten, Berlin 1936
Löhken, Ingo: Die Polizei-Uniformen in Preußen 1866-1945, Friedberg 1986
Minsterial-Blatt des Reichs und Preußischen Ministerium des Innern 1934 Nr. .5, S. 121, Berlin 1934
Minsterial-Blatt des Reichs und Preußischen Ministerium des Innern 1936, Berlin 1936
Putzger, F.W.: Historischer Weltatlas, Berlin 1970
Transfeld Hrsg.: Stein, Hans-Peter: Wort und Brauch im Heer und Flotte, Stuttgart 1986
Reiners, Ludwig: Friedrich, München
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Suum Cuique
Suum Cuique: Dieser Ausspruch stammt von dem großen altrömischen Politiker, Schriftsteller und Redner
Marcus Tullius CICERO (03.01.106 – 07.12.43 v. Chr.).
| Cicero sagte: | “Justitia in suo cuique tribuento cernitur”.
“Die Gerechtigkeit erkennt man daran, daß sie jedem das seine zuerteilt.” |
Friedrich I., König von Preußen, wählte “Suum Cuique” als Inschrift für viele Medaillen und Münzen und zum Motto für den am 17.01.1701 gestifteten “Orden vom preußischen Adler”. Seit dieser Zeit blieb “Suum Cuique” Preußens Wahlspruch.
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